Heute mal Resignation

Meine beste Waffe gegen den Virus? Einfach aufgeben.


Omikron hat die Schule der Kinder erreicht und jetzt sitzen wir wieder hier. Meine Frau am Esstisch, vertieft in ein virtuelles Meeting. Meine Töchter an ihren Schreibtischen, genervt von den Wochen- und Tagesplänen. Und ich vor meinem Laptop am Puppentisch im Spielzimmer, sonst war nirgendwo Platz. Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie sind wir also wieder da, wo wir angefangen haben: im Homeoffice und Homeschooling – und im generellen Homefrust.


Man will sich einfach nicht daran gewöhnen, alles von daheim aus zu machen. Dabei sollten wir doch inzwischen eine gewisse Routine darin entwickelt haben, ganze Schulbücher auszudrucken, Einkauf und Hausübung gleichzeitig zu machen, Turnstunden im Wohnzimmer abzuhalten und am Klo zu telefonieren, weil das der einzige Raum ist, den man von innen versperren kann. Wir sollten genau wissen, mit welchen kleinen aber genialen Tricks wir die Stimmung der Kinder heben können und wann jeder unserer Freunde Zeit für ein Glas Wein vor dem Bildschirm hat.


Doch das einzige, an das wir uns gewöhnt haben, ist das Gefühl der Resignation.

Wir haben uns schlicht und einfach damit abgefunden, dass jetzt gerade alles Mist ist. Wir wissen, dass wir nichts tun können, außer auf bessere Zeiten zu warten. Und wissen Sie was? Das ist ein tolles Gefühl. Was klingt, als hätten wir aufgegeben, ist in Wahrheit unsere stärkste Waffe im Kampf um ein halbwegs normales Leben.


Die Resignation war es, die uns überzeugt hat, die „Fernsehen nur am Wochenende“-Regel endlich über Bord zu werfen. Ohne Resignation würde ich immer noch versuchen, meine Familie damit zu unterhalten, dass ich jeden Tag im Homeoffice Hemd und Krawatte trage. Das war erstens gar nicht soo lustig und zweitens auf Dauer echt mühsam. Und wenn ich mich immer noch jeden Tag fürchterlich darüber aufregen würde, in welch elendiger Dreckssituation wir uns alle befinden, müsste ich mir nicht nur wegen Corona Sorgen um ein Spitalsbett machen, sondern auch wegen Bluthochdruck, Herzinfarkt und Haarausfall.


Auch die Kinder haben inzwischen im besten Sinn des Wortes resigniert. Als die jüngere Tochter erfuhr, dass sie wieder mal eine Woche vor dem Bildschirm unterrichtet wird, meinte sie nur: „Passt. Muss ich mich nur oben anziehen.“